KINDERSTÜCKE

„Theaterstücke sind keine Literatur, sie sind Material !“ George Tabori



Foto: Erik Biembacher, Theater XS Münster
Foto: Erik Biembacher, Theater XS Münster

Bühnenklassiker sind Zeitdokumente besonderer Art. Im Vergleich zu anderen literarischen Gattungen offenbaren sie sich nicht nur einer Leser_innenschaft, sondern einem Publikum. Die Figuren, von denen sie erzählen, können jederzeit und an jedem Ort zum Leben erweckt und mit Gefühlen und Eigenarten ausgestattet werden. So wird alles, über das sie jammern, klagen, sich freuen sichtbar und erlebbar. Sprachlich verschlungen, ausufernd detailliert und bildreich fantastisch erzählen die Dramatiker_innen vergangener Zeitepochen von Lebensumständen und emotionalen Befindlichkeiten, von Sorgen, Nöten, Ängsten, die uns faszinieren, weil sie uns vielleicht nicht fremd, so doch bisweilen befremdlich erscheinen. Wir, das sind die erwachsenen, literarisch vorgebildeten, ausdauernden Beiwohner_innen vierstündiger Inszenierungen dieser alten Meister_innen. Wir, das sind all jene routinierten Theatergänger_innen, die wir Genuss empfinden an sprachlicher Komplexität, an inhaltlicher Gestrigkeit und bühnentechnischem Aufwand (oder auch Reduktion). Doch wir sind nicht das Publikum von morgen.

 

 

Aus dem Wunsch heraus, diese besonderen Zeitdokumente weder den jungen Menschen vorzuenthalten noch sie über curriculare Zwangsmaßnahmen zur Lektüre der 140 Seiten schweren und grafisch massiv reduzierten Reclamheftchen zu nötigen, entstanden diese vielfältigen Bearbeitungen.

 

Die vorliegenden Bühnenfassungen sind natürlich um ein Vielfaches gekürzt, sprachlich vereinfacht und reduziert sowie inhaltlich modernisiert. Dabei liegt der Schwerpunkt der Bearbeitung auf die für Kinder und Jugendliche emotional nachvollziehbaren und inhaltlich spannenden Erzählstränge, die von den elementaren, immer wiederkehrenden Gefühlen der Menschheit handeln: der allumfassenden Liebe, der schmerzhaften Verzweiflung, der niederträchtigen Rache, dem überwältigenden Hass.

 

Zur Vorbereitung auf einige dieser Stücke sind dramapädagogische Einheiten entwickelt worden (s. Materialshop), deren Ziel es ist, den Aktualitätscharakter dieser Geschichten hervorzuheben, Interesse für die Stücke zu wecken und eine Auseinandersetzung mit den Figuren und deren Denkweisen zu provozieren. Erst im zweiten Schritt sollte der Dialog in Form einer ersten szenischen Lesung erarbeitet werden. Wenn die Motivation bei den Schülern_innen hoch ist, kann der Originaltext natürlich stets hinzugezogen werden.

 

Da die Stücke bereits gespielt wurden, ist eine einfache Umsetzung auf der Bühne garantiert. Die Spieldauer wird 70 Minuten nicht überschreiten und ist somit auch einem jungen Schüler_innenpublikum zugänglich.

 

Also dann... viel Vergnügen!